Rennrad Transalp – Die Streckenplanung durch die Alpen

In dieser Blog-Serie möchte ich dir zeigen, wie ich mich auf die große Rennrad Tour Transalp vorbereite. In vier Artikeln gehe ich dabei auf Training, Ausrüstung und Planung der Tour ein und hoffe, dir einen guten Überblick verschaffen zu können.

Inhaltsverzeichnis

Die Streckenplanung

Nachdem ich dir im ersten Artikel berichtet habe, welche Regeln ich mir selbst für die Rennradtour durch die Alpen auferlegt habe, erfährst du in diesem zweiten Artikel etwas zur Strecke und der Vorgehensweise.

Durch die Bedingung, dass die Tour mindestens durch zwei Länder verlaufen soll und ebenso mindestens einen Gipfel beinhalten sollte (je mehr desto besser, aber es muss natürlich machbar sein), ergibt sich hieraus schon eine erste Idee.

Höhenmeter möchte ich insofern nicht einsparen, indem ich erst in den Alpen starte. Halbe Sachen gibt es nicht 😉
Gleichfalls muss man auch die Anreise berücksichtigen:

  • Komme ich vom Startpunkt aus gut mit dem Intercity hin?
    Das hätte den Vorteil, dass die Anreise mit der Bahn erfolgen könnte, ein Auto muss nicht am Startpunkt abgestellt werden.
  • Liegt der Ort noch vor den ersten Höhenmetern?
    Ich möchte mir ungerne vorwerfen lassen, ich sei erst in den Alpen gestartet 🙂
  • Komme ich am Zielort mit dem Zug oder Bus (inkl. Fahrradmitnahme) wieder zurück?

Startpunkt in Garmisch-Partenkirchen

Die Wahl fiel dabei auf Garmisch-Partenkirchen. Garmisch ist sehr gut mit dem Intercity der Deutschen Bahn zu erreichen, die eine Fahrradmitnahme ermöglich. Beim ICE ist dieses Angebot übrigens gar nicht bis eingeschränkt möglich. Wichtig zu wissen ist, dass in etlichen Zügen wie dem Eurocity durch Österreich eine Fahrradmitnahme nur begrenzt möglich ist und ein Ticket unbedingt vorher gekauft werden muss, da das Rad einen reservierten Platz bekommt. Dieses Ticket erhält man leider nicht Onlíne, man muss es in Deutschland am Bahnhof kaufen oder in Italien bzw. Österreich in einem Reisebüro. In Italien bspw. kann am Schalter nichts gekauft werden, weil die Züge der Deutschen Bahn gehören bzw unter dem österreichischen Verkehrsverbund ÖBB fahren. Im Zug selbst ist das auch noch möglich, an den Wochenenden und in den Sommermonaten insgsamt ist es aber eine eine Glückssacke.

Blick auf Garmisch und die Zugspitze (photo by manfredrichter / pixabay.com)
Blick auf Garmisch und die Zugspitze (photo by manfredrichter / pixabay.com)

Garmisch ist ein bekannter Ski-Ort in Bayern unmittelbar nördlich der Zugspitze. Hier fangen die ersten Ausläufer der Alpen an, es kann also direkt losgehen mit dem Rennrad.

Nun müssen Radwege oder Straßen gefunden werden, die gut ausgebaut sind. Abhängig sind diese aber auch von dem Zielort.

Das große Ziel ist der Gardasee

Wenn man in Garmisch Partenkirchen startet und eine Transalp bezwingen möchte, liegt nichts näher als den Gardasee anzusteuern. Nicht nur, dass dieser unmittelbar südlich der Alpen liegt, er ist gut erreichbar und ein echtes Traumziel. Italienischer Flair in südlich warmen Gefilden. Ich gebe zu, dass Start und Ziel keine Rocket-Science ist, verfolgen doch viele Tourenanbieter eben diese Verbindung. Dennoch bietet es sich optimal an, da man vom Gardasee auch mit dem Zug optimal zurückreisen kann. Von Trento aus, das 15km östlich der nördlichsten Seespitze liegt, gelangt man mit der Deutschen Bahn über München zurück nach Deutschland.

Gardasee (photo by holdi2017 / pixabay.com)
Gardasee (photo by holdi2017 / pixabay.com)

Jetzt ist eigentlich nur noch die spannende Frage, welche Optionen man unterwegs für eine Tour auf dem Rennrad geboten bekommt?

Hunderte Möglichkeiten durch die Alpen mit dem Cross-Rennrad

Da ist guter Rat teuer. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Alpen selbst. Woran macht man also fest, welche Route man durch die Alpen nimmt? Start und Ziel sind bereits vorgegeben, aber dazwischen liegen unzählige bekannte Pässe wie der Reschenpass, das Stilfser Joch und ebenso schöne Orte wie St. Moritz in der Schweiz oder Meran in Norditalien. Stellen wir uns einige Fragen, die die Möglichkeiten einschränken können:

Stilfser Joch (Photo by hpgruesen / pixabay.com)
Stilfser Joch (Photo by hpgruesen / pixabay.com)

Wie viele Tage habe ich für eine Tour zur Verfügung?

Anhand dieser Frage ergibt sich eine ungefähre Möglichkeit an befahrenen Kilometern. Mir stehen der halbe Ankunftstag (Anreise in Garmisch am Mittag) und die darauffolgenden drei Tage zur Verfügung. In 3,5 Tagen kann man die Alpen bezwingen, allerdings sind größere Schlenker nicht mehr drin.

Wie gut ist meine Fitness auf dem Rennrad?

Hierzu habe ich einen dritten Artikel verfasst, der das Thema Training und Fitness aufgreift. Da ich über mehrere Monate ausgeschaltet war und erst im April wieder mit Lauf- und Radtraining beginnen konnte, die Tour aber schon im Juni stattfindet, habe ich hier die nächste Einschränkung. Ein größerer Anstieg pro Tag mit rund 1.500 Höhenmetern sollte nicht unbedingt überschritten werden. Abhängig von den Höhenmetern möchte ich am Tag nicht zwangsweise mehr als 100 Kilometer zurücklegen. Das ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Tour eine Gaudi werden soll. Wir möchten zu dritt die Landschaft und seine Berge genießen. Hinzu kommt Gepäck, das verstaut werden muss, hier erfährst du im vierten Artikel mehr darüber.

Gibt es Sehenswürdigkeiten, die ich nicht verpassen möchte?

Ja, die gibt es. Und irgendwie auch nicht. Ich möchte gerne Gipfel mit dem Cyclocross Rennrad, die bei bekannten Radtouren eine Rolle spielen. Das Stilfser Joch, welche mittendrin liegt ist sicherlich eine Herausforderung. Timmelsjoch und andere sind ebenfalls möglich. Es wäre schön, wenn hier eine Route zum Tragen kommt, die diese Anstiege berücksichtigen könnte. Die Schweiz mit St. Moritz liegt ebenfalls noch im Bereich des Machbaren, muss aber sehr gut geplant sein. All diese Überlegungen fließen in die Routenfindung mit ein.

Reschenpass (Photo by simon / pixabay.com)
Reschenpass (Photo by simon / pixabay.com)

Vorläufige Route steht

Aus all diesen Überlegungen hat sich nun eine Route ergeben, auf die wir uns zu Dritt im Konsens geeinigt haben. Pro Tag fahren wir dabei nicht mehr als 115 Kilometer, nicht mehr als 1.600 Höhenmeter und haben einige schöne Abschnitte darin. Gleichzeitig kann ein Mountainbiker mit dünner Bereifung auf der Strecke mithalten, mein Bruder wird nicht zurück gelassen. 🙂

Am Ankunftstag stehen uns noch ein halber Tag auf dem Rennrad zur Verfügung. Wir möchten nach unserer Ankunft in Garmisch Partenkirchen noch bis Zams fahren und dort übernachten. Es geht also gemütlich auf rund 72km los. Trotzdem haben wir bereits 750 Höhenmeter hinter uns gelassen und befinden uns nun in den Alpen.

Tag zwei führt uns stetig bergauf auf 1.500m ü. NN auf ein Plateau in den Bergen. Wir befinden uns am Reschensee und stoppen hier für die zweite Nacht. Die 1.400hm haben wir auf rund 62km bezwungen.

Tag drei führt zunächst 80km ins wunderschöne Vinschgau Tal hinab durch Schlanders vorbei nach Meran wo sich ein kurzer Stop anbietet. Nun geht es zum Ende hin noch einmal steil bergauf auf den Gampenpass, dem Deutschnoberg (Passo delle Palade). 1.500hm warten an diesem Tag auf uns und wir machen nahe dem Gipfel im Dörfchen „Unsere Liebe frau im Walde“ rast. Insgesamt sind wir an diesem Tag 112km gefahren. Das härteste Stück der Tour, nicht zuletzt durch die Höhenmeter am Ende des steilen Aufstiegs.

Tag vier bricht an. Was wir gestern hinauf mussten, geht heute wieder ins Tal. Und wir möchten an unserem Zielort, dem Gardasee ankommen. Hier nehmen wir noch einen Gipfel mit, nur ins Tal rollen ist also nicht drin. Auf 110 Kilometern haben wir noch einmal 1.500 Höhenmeter vor uns, ins Tal geht es bisweilen 3.000 Höhenmeter hinab. Der letzte große Anstieg dabei ist eine serpentinenreiche Strecke hinauf nach Andalo vorbei am Molveno See. 800 Höhenmeter auf 13 Kilometer haben es noch einmal in sich, bevor es hinab an das große Ziel – den Lago di Garda – geht. Das letzte Stück ist tückisch für seinen Gegenwind, den es nochmal zu bewältigen gilt.

Diese Route ist vorerst nur vorläufig. Aber sie bietet uns weitreichende Möglichkeiten. So könnte man im schlimmsten Fall die letzten beiden Gipfel rechts liegen lassen und durch das Tal über Meran an den See fahren. In diesem Falle wäre der letzte Tag fast ausschließlich ein „Rollen“ bis zum See. Unterwegs bieten sich aber gleichsam Möglichkeiten, doch  noch weitere Höhenmeter zu absolvieren, sollten die insgesamt 5100hm nicht reichen. 350 Kilometer Fahrtstrecke sind für uns eine gute Option, die Transalp zu bezwingen. Alles in allem sind wir daher mit der ersten, groben Planung sehr zufrieden.

Tag Kilometer
Höhenmeter
Tag 1 72km 750m
Tag 2 62km 1.150m
Tag 3 111km 1.540m
Tag 4 112km 1.500m
Gesamt 357km 5.040m

So geht es weiter

 

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