Badischer Weindradweg – Trans Baden-Württemberg per Rennrad

Der Badische Weinradweg verbindet auf rund 460 Kilometer die badischen Weinregionen Markgräflerland, Kaiserstuhl, Tuniberg, Breisgau, Ortenau, Kraichgau und Badische Bergstraße. In Grenzach an der Deutsch-Schweizer Grenze, meinem Geburtsort, beginnt der Badische Weinradweg und führt über den Isteiner Klotz durch das Markgräflerland fort. Tuniberg und Kaiserstuhl laden ein, weiter Richtung Norden zu fahren und die terrassenförmigen Weinberge zu erkunden. Alternativ kann auch die Variante vorbei an Freiburgs Altstadt und dem Glottertal gewählt werden. Durch die Weinhänge des Breisgaus gelangt man in die Ortenau.  Soviel erst einmal zum Werbeblock, meine genaue Route und Etappe folgt jetzt. 😉

Ich bin diese Tour im Sommer 2020 gefahren, als der Badische Weinradweg noch relativ neu ausgezeichnet war. Meine Erfahrungen beruhen daher auf dieser Zeit, ich versuche aber die Informationen hier aktuell zu halten, sollte sich etwas Neues ergeben. Nutzt die Kommentarfunktion, wenn ihr News habt.

Was reizt am Badischen Weinradweg?

Ich war wieder einmal überrascht von der Vielfalt unseres Landes. Wir sind vor allem auf den ersten Etappen durch eine Burgenreiche Landschaft gefahren, die sich zwischen den Weinbergen erheben. Neben den Weinhängen sind es aber auch reiche Obstplantagen die zu etlichen Stops am Wegrand verführen.

Obstbäume und Sträucher, so weit das Auge reicht, saftige Wiesen und Sonnenblumenfelder die im Rheintal besonders gut gedeien, wie es scheint. Und dann die vielen Bananenpalmen in den Vorgärten der Ortschaften. Unfassbar schön.

Der Reiz kommt aber auch von den Höhenmetern die man zurücklegt. Wider Erwarten erreicht man die auch im Rheintal, bzw. an seinen Hängen. Während die Transalp, also die Tour quer durch die Alpen mit dem Rennrad vor allem durch einzelne, hohe Gipfeletappen bestach, sind es hier die unzähligen kurzen, aber sehr bissigen Anstiege an den Weinhängen der Regionen. Du glaubst du hast den Berg bezwungen, da taucht direkt dahinter der nächste Weinhang-Anstieg an. Belohnt wirst du mit einem traumhaften Blick ins Rheintal bis nach Frankreich hinüber.

Was sind die Kontras an dieser Rennrad Tour?

Die letzte Etappe über Heidelberg war vor allem von „Strecke machen“ gezeichnet. Zeitweise ein wenig Quälerei und landschaftlich auch kein Highlight mehr. Man merkt, dass es hier um eine Trans-Baden-Württemberg geht und das letzte Stück einfach nicht fehlen darf. Daher endet sie auch relativ unspektakulär an einem kleinen Bahnhof irgendwo an der Landesgrenze zu Hessen. Würde ich es nochmal fahren, würde ich die fünfte Etappe vermutlich streichen.

Ist der Badische Weinradweg für das Rennrad geeignet?

Bedingt. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich tlw. vom Untergrund nicht erfreut war. Den überwiegenden Teil der Tour legst du auf einem guten Teer-Untergrund zurück. Zeitweise jedoch ist es loser Untergrund, grober Schotter bis hin zu Waldabschnitten mit Hölzern und größeren Steinen. Hier lohnt es im Zweifel, nochmal genau hinzuschauen und bei der Planung darauf zu achten, solchen Abschnitten möglichst auszuweichen. Sie halten sich jedoch in Grenzen.

Die Route von 460km aufgeteilt auf fünf Etappen

EtappeVonBisDistanzHm
1GrenzachBad Kozingen73 km800 Hm
2Bad KozingenGengenbach113 km1.240 Hm
3GengenbachEttlingen102 km820 Hm
4EttlingenOberderdingen74 km870 Hm
5OberderdingenLaudenbach108 km1.120 Hm
Gesamt470 km4.850 Hm

Während die beschriebene Route 8 bis 10 Tage vorsieht, haben wir auf dem Rennrad etwas mehr Gas gegeben und es auf fünf Etappen aufgeteilt. Wir haben die Route zunächst daran orientiert, was wir am Anreisetag noch schaffen können. Wir wussten, dass wir durch die Anreise etwas weniger Zeit zur Verfügung haben und wählten daher eine kürzere Einstiegsetappe von 73km. Die Anreise selbst war problemlos mit dem ICE, das Auto hatten wir auf halber Strecke in Karlsruhe geparkt. Genaueres erfährst du im Abschnitt Organisation

Etappe 1 – Grenzach – Bad Kozingen (73km, 800hm)

Die erste Etappe beginnt am südlichsten Punkt in Grenzach direkt an der Schweizer Grenze. Und es kommt noch besser, denn ein kleines Stück muss man sogar durch die Schweiz, genauer gesagt Basel/Riehen fahren. Der Grenzbaum ist also das erste Highlight, genauso wie der Rhein an dem man ein Stück aufwärts fährt.

Nach 24km geht es dann das erste mal steil bergauf. Und schon gleich eröffnet sich ein grandioses Bild über das Rheintal bis hinüber zu den Vogesen in Frankreich.

Etappe 2 – Bad Kozingen – Gengenbach (113km, 1.240hm)

Auf der zweiten Etappe geht es über den Kaiserstuhl, ein echtes Highlight. Viele Obstplantagen passiert man, sodass der ein oder andere Stop wirklich ein Muss ist. Am Ende des Tages hast du auf 113km einen Obstsalat gegessen 😉

Zunächst entfernt sich die zweite Etappe vom Rhein und steuert auf den Schwarzwald im Osten zu, nördlich geht es weiter Richtung Freiburg im Breisgau. nach 26km beginnen dann die absoluten Streckenhighlights, denn es geht durch die Weinberge in steilen, kurzen und bissigen Abschnitten nach oben.

Sowohl Bischoffingen als auch Endingen werden passiert. Wenn man die zeit hat, sollte man in diesen Orten etwas verweilen, sie sind traumhaft schön. Für uns ging es jedoch bis Gengenbach an die Kinzig. Ebenfalls ein traumhaft schöner Ort innerhalb einer Stadtmauer.

Gengenbach

Etappe 3 – Gengenbach – Ettlingen (102km, 820hm)

Vorbei an Strasbourg in der Ferne geht es am Rhein nördlich über Baden-Baden in Richtung Karlsruhe. Kurz vor Karlsruhe haben wir unser Etappenziel gelegt, Ettlingen bietet hier sich gut an.

Es bleibt auf der Tour traumhaft schön und kulinarisch. Verwundert waren wir über die vielen Früchte sowie Bananenpalmen in den Vorgärten der Häuser.

Am Wegrand befinden sich unzählige Obstplantagen
Die Jahreszeit ist natürlich entscheidend
Blick ins Rheintal von den steilen Weinbergen aus

Etappe 4 – Ettlingen – Oberderdingen (74km, 870hm)

Der heutige Tag ist etwas entspannter, wir haben nur 74km vor uns. Vorbei geht es zunächst an Karlsruhe, wir sind froh, dass wir durch die Großstadt nicht durch müssen, was uns in Heidelberg noch bevorsteht. Heute fahren wir bis Oberderdingen, das in einem Talende liegt, das sich in Richtung Osten zieht. Den letzten Berg nehmen wir aber noch mit und schenken ihn uns für den morgigen Tag. Der hat es allerdings nochmal in sich. landschaftlich bestechen hier vor allem die Sonnenblumen und Kürbisfelder, das ich in einer solchen Konzentration noch nicht gesehen habe.

Etappe 5 – Oberderdingen – Laudenbach (108km, 1.120hm)

Wie ich anfangs schon berichtete, war der letzte Tag vor allem von „Strecke machen“ gekennzeichnet. Die letzten rund 110km galt es abzufahren, schnurgerade nach Norden bis zu unserem Tourziel, der Landesgrenze von Baden Württemberg. In Heidelberg haben wir uns einen Stop gegönnt, waren aber auch froh, als wir hindurch waren. Es ist für ein Rennrad einfach zuviel Verkehr, zu viel Chaos, zu viel los. Das gilt übrigens für die gesamte Region rund um Heidelberg. Viele Ortschaften mussten wir passieren, entsprechend hoch war das Verkehrsaufkommen. Die Höhenmeter nahmen nach etwa 50km ab, sodass es relativ eintönig wurde. Aber das Ziel natürlich immer vor Augen.

Angekommen in Laudenbach waren wir uns einig, dass das Ziel alles andere als interessant ist. Ein unscheinbarer Bahnhof in einem kleinen, unscheinbaren Ort. Hier warteten wir auf den Zug, der uns zurück nach Karlsruhe bringen sollte, wo unser Auto stand.

Anreise und Organisation

Wie löst man das Problem, dass man mit dem Auto anreist, im Süden startet und im Norden ankommt, es aber an diesem Tag nicht mehr zurück schafft zum Ausgangspunkt? Richtig: Man wählt die halbe Strecke. Und genau das war auch wirklich klasse bei dieser Tour.

Wir sind am Anreisetag mit dem Auto bis Karlsruhe gefahren und haben den PKW hier am Bahnhof abgestellt. Mit den Fahrrädern sind wir in den ICE eingestiegen und bis Grenzach (mit Umstieg in Basel) mit der Bahn gefahren. So kamen wir morgens am Ausgangspunkt an, das Auto stand aber quasi an „Etappe 3“. Am letzten Tag mussten wir von Laudenbach nur noch bis Karlsruhe zurück, was deutlich leichter zu bewerkstelligen ist, als stundenlang bis Basel bzw. Grenzach zu fahren und das ganze dann mit dem Auto auch noch zurückfahren zu müssen.

Packliste & Bike packing

Ich habe wieder vermieden, viel Gewicht auf dem Rücken zu transportieren. Bei fünf Etappen und zwei Taschen, die ich nutze, dürfte das auch machbar sein. Um einen kleinen Rucksack komme ich aufgrund des Surface Go 2 nicht herum, das ich aufgrund meines Berufs mit mir führen muss. Also wird ein Mini Rucksack von Deuter herhalten, der leicht ist und Schutz für das Gerät bietet.

Bei den Taschen gehe ich keine Kompromisse ein. Hier setze ich auf ein mittelgroßes Frame Pack von Apidura. Apidura ist ein Hersteller für ultraleichte und extrem widerstandsfähige Radtaschen. Ein echter Glücksfall, dass ich auf diese Produkte gestoßen bin und schon bei der Transalp mitgenommen habe. Das Apidura Backcountry Compact Frame Pack bietet 4,5l Platz im Rahmen des Rennrads. Zwei Taschen, jeweils links und rechts bieten Platz für elektronische Geräte, Reisedokumente und Geld. Auch kleinere Dinge wie Energy Riegel finden hier noch ausreichend Platz.

Unter dem Sattel setze ich ebenfalls auf eine Tasche von Apidura. Das Backcountry Saddle Pack bietet sage und schreibe 14l Stauraum und ist sehr widerstandsfähig (Lese hierzu auch meinen Testbericht zur Apidura Backcountry Saddle Pack). Zudem habe ich gute Erfahrungen in der Stabilität gemacht, es knickt nicht ein und landet nicht auf dem Hinterrad. In die 14l Stauraum bekomme ich Wechselkleidung und die Hygieneartikel super untergebracht, sodass mir der Rücken tatsächlich weitestgehend frei bleibt. Gänzlich frei, wenn ich nicht auf das Surface Go 2 angewiesen wäre.

Ebenfalls gute Erfahrung habe ich mit Zip-Hosen gemacht. Die sind leicht und erfüllen zwei Zwecke: Kurze Hose und lange Hose. Der Reißverschluss am Knie bietet die Option, die Hose bei Bedarf kurz zu tragen. Der leichte Stoff sorgt für gutes Gewichts/Leistungsverhältnis.

Da ich mit „rei in der Tube“ Abends durchwasche, brauche ich nur eine einfache Rennrad Ausstattung bei Trikot und Hose. Die Wäsche trocknet ultraschnell und riecht jeden Morgen wieder frisch 🙂

Zusätzliche Schuhe habe ich aus Leinen. Die sind ultraleicht und benötigen kaum Platz.

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